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Aufstocker: Wann wird aufstockendes Hartz 4 gezahlt?

Als Aufstocker werden Personen bezeichnet, die ein geringes Einkommen erzielen und dieses mit Hartz 4 aufstocken müssen, um ihren Lebensunterhalt sicherstellen zu können. Dabei ist nicht nur der Lohn als Einkommen zu berücksichtigen, sondern auch Elterngeld, Arbeitslosengeld 1 (ALG 1) oder beispielsweise Unterhalt.

Was sind Aufstocker?

Geringverdiener können ihr Einkommen aufstocken. Mit Hartz 4 kann der Lebensunterhalt gesichert werden.

Geringverdiener können ihr Einkommen aufstocken. Mit Hartz 4 kann der Lebensunterhalt gesichert werden.

Als Aufstocker werden umgangssprachlich Personen bezeichnet, die ein so geringes Einkommen erzielen, welches nicht für den Lebensunterhalt ausreicht, sodass sie finanzielle Unterstützungen vom Jobcenter erhalten. In Statistiken der Bundesagentur für Arbeit werden diese Personen als erwerbstätige Arbeitslosengeld-2-Bezieher bezeichnet.

Eine Erwerbstätigkeit schließt den Bezug von Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) nicht automatisch aus. Damit der Lebensunterhalt trotz der niedrigen Einkünfte sichergestellt werden kann, können Erwerbstätige eine Hartz-4-Aufstockung für Geringverdiener beantragen.

Für den Anspruch auf die Aufstockung zum Lebensunterhalt ist es unwichtig, wie viele Stunden Sie wöchentlich erwerbstätig sind. Hier weicht die Regelung für die Aufstocker vom Arbeitslosengeld-1-Bezug ab. ALG 1 berechtigt sind nämlich nur Personen, die nicht mehr als 15 Stunden wöchentlich arbeiten.

Grundsätzlich können Sie allerdings auch eine Aufstockung von Hartz IV beantragen, wenn Sie nicht erwerbstätig sind. Beispielsweise kann Personen unter bestimmten Umständen auch eine Aufstockung vom Arbeitsamt zustehen, wenn sie andere Leistungen beziehen. Wann dies der Fall ist, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Mehr als eine Millionen Hartz-4-Aufstocker in Deutschland

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Hartz-IV-Aufstocker in den vergangenen drei Jahren von 1,3 auf 1,2 Millionen gesunken. Im Jahr 2013 machten Aufstocker mit Hartz IV noch 30 Prozent der Leistungsberechtigten aus. Im April 2017 konnten nur noch 26 Prozent verzeichnet werden.

Seit der Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 ist ein Rückgang der Aufstocker mit Hartz 4 in den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zu verzeichnen. Laut der Bundesagentur ist dies allerdings nicht ausschließlich auf den Mindestlohn sondern auch auf die gute Konjunktur zurückzuführen.

Besonders arbeitende Singles können durch den Mindestlohn aus dem Hartz-4-Bezug fallen. Familien, in denen nur ein Elternteil einem Job nachgeht, können seltener durch den Mindestlohn den Sprung aus dem Arbeitslosengeld-2-Bezug schaffen. Das liegt vor allem daran, dass das Existenzminimum durch die Kinder oder andere Leistungsberechtigte höher ist als das Gehalt.

Wann werden aufstockende Leistungen gezahlt?

Ein Anspruch auf die ALG-2-Aufstockung haben nicht nur erwerbstätige Personen, die Lohn oder Gehalt beziehen. Als Einkommen gelten u. a. auch folgende Einnahmen:

Zuschuss zum Lohn mit Hartz IV: Wann werden aufstockende Leistungen gezahlt?

Zuschuss zum Lohn mit Hartz IV: Wann werden aufstockende Leistungen gezahlt?

  • Arbeitslosengeld 1
  • Gewinne aus einer selbstständigen Tätigkeit
  • Elterngeld
  • Unterhalt
  • Erwerbsunfähigkeitsrente bei befristeter und teilweiser Erwerbsunfähigkeit
  • Krankengeld
  • Verletztengeld

Personen, die eine der oben stehenden Einkommen erhalten, können einen Anspruch auf eine Aufstockung mit Hartz 4 haben. Damit Sie als Aufstocker gelten, müssen Sie beim zuständigen Jobcenter einen Antrag auf die Aufstockung zum Lohn stellen. Diesen prüft das Jobcenter eingehend und berechnet Ihren Regelbedarf.

Bekommen Geringverdiener eine Aufstockung?

Eine Aufstockung zum Lohn ist für Geringverdiener mit Hartz 4 möglich. Der Anspruch wird je nach Bedarf und Einkommen berechnet. Dabei wird der Regelbedarf für Leistungsberechtigte berücksichtigt sowie die Kosten für eine angemessene Unterkunft.

Damit aufstockende Leistungen zum Lebensunterhalt ermittelt werden können, wird zwischen einem sozialversicherungspflichtigen Einkommen ab 451 Euro sowie einem Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung (Minijob) bis 450 Euro unterschieden.

Bei einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit werden die Beiträge für die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung vom Bruttoeinkommen abgezogen. Zudem werden die Steuern berücksichtigt. Daraus ergibt sich das für die Berechnung entscheidende Nettoeinkommen.

Beispiel: Klaus verdient 1300 Euro brutto. Davon bekommt er insgesamt 900 Euro ausgezahlt. Die Abgaben schlüsseln sich wie folgt auf:

    • Lohnsteuer: 85 Euro
    • Solidaritätszuschlag: 20 Euro
    • Sozialversicherungsbeiträge: 95 Euro
    • Lohnpfändung: 200 Euro

Dementsprechend bleibt Klaus ein Nettoeinkommen von 900 Euro übrig. Die Lohnpfändung wird von Jobcenter allerdings nicht berücksichtigt, wodurch sich ein Nettoeinkommen von 1100 Euro ergibt.

Bei einem Minijob wird das Nettoeinkommen vom Aufstocker berücksichtigt. In diesem Fall hat es das Jobcenter bei der Berechnung besonders einfach, da Abzüge wie Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge nicht berücksichtigt werden müssen.

Welche Fixkosten werden bei der Berechnung berücksichtigt?

Die Aufstockung vom Gehalt ist auch für Minijobber möglich.

Die Aufstockung vom Gehalt ist auch für Minijobber möglich.

Viele Aufstocker haben Fixkosten, die monatlich bezahlt werden müssen. Auch diese werden vom Jobcenter bei der Aufstockung durch Hartz 4 bedacht. Dazu zählen beispielsweise vorhandene Beiträge zur Riester-Rente sowie angemessene Beiträge zur Haftpflichtversicherung fürs Auto.
Wichtig! Bei einem Minijob kann die Kfz-Haftpflichtversicherung nicht abgesetzt werden. Diese Möglichkeit besteht meistens nur, wenn eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt wird.

Bei sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten werden außerdem private Versicherungen in Höhe von insgesamt 30 Euro berücksichtigt. Auch Werbungs- und Fahrtkosten werden vom Jobcenter bei der Aufstockung vom Gehalt bedacht. Als Werbungskosten gelten u.a. folgende Posten:

  • doppelte Haushaltsführung
  • Berufskleidung
  • Arbeitsmittel
  • Fachliteratur
  • Reisekosten
  • Fortbildung

Dabei gilt eine Werbungskostenpauschale von 16,67 Euro im Monat. Diese ergibt sich auf 1/60 der Webungskostenpauschale nach § 9a des Einkommensteuergesetzes (EStG). Sind die Werbungskosten höher, kann das Jobcenter auch diese übernehmen, wenn der Aufstocker entsprechende Nachweise vorlegt.

Für Fahrtkosten gilt, dass 0,20 Cent pro gefahrenem Kilometer berücksichtigt werden. Sind die tatsächlichen Kosten höher, übernimmt das Jobcenter in der Regel die Kosten für eine Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel.

Können Sie das Arbeitslosengeld 1 aufstocken?

Damit Arbeitslose Arbeitslosengeld 1 erhalten, müssen Sie innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens sechs Monate lang sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Die Höhe des Arbeitslosengeldes ergibt sich dann anhand des vorherigen Nettogehalts. Die Agentur für Arbeit zahlt 67 % des Nettoeinkommens als ALG 1 aus.

Gerade bei Geringverdienern, die ihren Job verloren haben, reicht das Arbeitslosengeld 1 nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Bleiben wir beim vorherigen Beispiel von Klaus, würde dieser rund 730 Euro ALG 1 bekommen. Damit Klaus seine monatlichen Fixkosten sowie die Miete bezahlen kann und zusätzlich noch Geld für Lebensmittel, Kleidung etc. übrig hat, kann er aufstockende Leistungen vom Jobcenter beantragen.

Oftmals haben Aufstocker auch die Möglichkeit das ALG 1 durch den Kinderzuschlag und Wohngeld aufzustocken. Damit diese Aufstockung vom Arbeitslosengeld 1 möglich ist, müssen allerdings entsprechende Einkommensgrenzen eingehalten werden. Für einen Kinderzuschlag muss das ALG 1 bei mindestens 900 Euro liegen. Für Alleinerziehende gilt eine Grenze von 600 Euro.

Rente mit Hartz 4 aufstocken: Geht das?

Beim Arbeitsamt kann die Aufstockung von Hartz 4 beantragt werden.

Beim Arbeitsamt kann die Aufstockung von Hartz 4 beantragt werden.

Die Höhe der Rente ergibt sich aus den Beiträgen, die während der Berufstätigkeit in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt wurden. Besonders Hausfrauen oder Personen, die jahrelang einen Minijob ausgeübt haben, erhalten eine geringe Rente, die oftmals nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Auch hier kann es sich daher anbieten, Hartz-4-Aufstocker zu werden. Aber geht das bei Altersrente überhaupt? Rentner können vom Jobcenter keine Aufstockung erhalten. Sie haben keinen Anspruch auf aufstockendes Hartz 4. Allerdings haben sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Grundsicherungsleistungen beim Sozialamt zu stellen.

Fazit zum Thema “Aufstocker”

  • Durch Hartz 4 kann ein geringes Einkommen aufgestockt und so der Lebensbedarf gedeckt werden.
  • Aufstocken können sowohl Geringverdiener als auch Arbeitslosengeld-1-Empfänger und Bezieher von Kranken- oder Verletztengeld.
  • Keinen Anspruch auf eine Aufstockung haben Personen, die Altersrente beziehen.
  • Die Berechnung erfolgt vom Jobcenter unter Berücksichtigung von Steuern, Versicherungen und anderen Fixkosten.

Bildnachweise: fotolia.com/ Michael Schütze, istockphoto.com/ villiers, istockphoto.com/ DigitalZombie

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