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Hartz 4 und eine Eigentumswohnung: Wird sie als Vermögen angerechnet?

Grundsätzlich dürfen auch Hartz-4-Empfänger eine Eigentumswohnung besitzen. Wichtig ist dabei, dass die Größe als angemessen eingestuft werden kann. Bei einem 2-Personen-Haushalt gelten beispielsweise 80 m² als angemessen. Die Nebenkosten übernimmt ebenfalls das Jobcenter. Tilgungsraten werden in der Regel allerdings nicht erstattet.

Erhalten Sie Hartz 4 trotz einer Eigentumswohnung?

Sind eine Eigentumswohnung und der Hartz-4-Bezug miteinander vereinbar? Hier mehr dazu!
Sind eine Eigentumswohnung und der Hartz-4-Bezug miteinander vereinbar? Hier mehr dazu!

Auch nach zahlreichen Jahren im Berufsleben können Arbeitnehmer ihren Job verlieren und nach längerer Arbeitslosigkeit auf Hartz 4 angewiesen sein. Dies ist besonders ärgerlich, wenn noch Kredite beispielsweise für die Eigentumswohnung abbezahlt werden müssen. Muss dann die Eigentumswohnung bei Hartz-4-Bezug verkauft werden?

Grundsätzlich zählt eine selbstgenutzte Eigentumswohnung als Schonvermögen, sofern diese angemessen ist. Angemessen ist eine Wohnung, wenn sie eine entsprechende Wohnfläche bei einer bestimmten Anzahl an Personen nicht übersteigt. Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts darf eine vierköpfige Familie eine 120 m² Wohnung besitzen.

Für jede weitere Person oder jede Person weniger können ca. 20 m² addiert oder abgezogen werden. Somit darf ein Ehepaar eine 80 m² Wohnung besitzen. In Einzelfällen kann Hartz 4 mit größerer Eigentumswohnung bewilligt werden. Dies ist allerdings immer von verschiedenen Faktoren abhängig, die das Jobcenter individuell betrachtet.

Wollen Sie bei Hartz-4-Bezug eine Eigentumswohnung kaufen, gestaltet sich dies eher schwierig. Hartz 4 erhalten Sie nur, wenn Sie unter dem Vermögensfreibetrag von 150 Euro pro Lebensjahr liegen. Ein bereits angespartes, höheres Vermögen, welches zum Kauf einer Eigentumswohnung gedacht ist, ist kein Schonvermögen und wird angerechnet.

Als Ausnahme gilt ein Vermögen, welches für den behindertengerechten Ausbau einer bereits vorhandenen Eigentumswohnung dienen soll. Dies muss nachweisbar sein und die Beschaffung bzw. der Umbau innerhalb eines Jahres erfolgen.

Hartz-4-Bezug bei einer vermieteten Eigentumswohnung

Trotz Hartz IV kann eine Eigentumswohnung, sofern sie angemessen ist, bewohnt werden.
Trotz Hartz IV kann eine Eigentumswohnung, sofern sie angemessen ist, bewohnt werden.

Aber nicht immer darf trotz Hartz 4 eine Eigentumswohnung besessen werden. Ist die Wohnung nicht angemessen, kann die Fläche, die zu groß ist, als Vermögen angerechnet werden. Somit erhalten Hartz-4-Empfänger mit einer Eigentumswohnung ausschließlich für eine gewisse Wohnfläche Nebenkosten, Zinsen, etc. erstattet.

Entweder müssen die restlichen laufenden Kosten vom Hartz-4-Satz beglichen werden oder der Wohnungseigentümer muss einen Teil der Wohnung vermieten. Unter besonderen Umständen kann das Jobcenter allerdings auch den Verkauf einer Eigentumswohnung verlangen. Dies ist laut Härtefallregelung bei Unwirtschaftlichkeit z. B. aufgrund des Zustandes allerdings oftmals nicht möglich bzw. nötig.

Aber wie verhält sich dies, wenn bei Hartz-4-Bezug die Eigentumswohnung vermietet wird? Generell zählt eine vermietete Wohnung nicht als Schonvermögen. Da es sich dabei um verwertbares Vermögen des Hartz-4-Empfängers handelt, verlangt das Jobcenter in der Regel, dass die Wohnung verkauft werden muss, bevor Hartz 4 ausgezahlt wird.

Interessant: Eine Eigentumswohnung, die behinderte oder pflegebedürftige Menschen bewohnen, darf nicht als Vermögen angerechnet werden.

Welche Kosten übernimmt das Jobcenter bei Hartz 4 und einer Eigentumswohnung?

Eigentumswohnung mit Hartz IV: Angemessene Nebenkosten werden vom Jobcenter übernommen.
Eigentumswohnung mit Hartz IV: Angemessene Nebenkosten werden vom Jobcenter übernommen.

Das Jobcenter kommt bei einer angemessenen Eigentumswohnung für die Darlehenszinsen, die Steuern auf den Grundbesitz, die nötigen Versicherungsbeiträge, den Erhaltungsaufwand und die Bewirtschaftungskosten auf. Die Höhe der Kosten sollte in etwa mit den Nebenkosten einer Mietwohnung vergleichbar sein, um als angemessen zu zählen.

Instandhaltungskosten, die nicht fortlaufend anfallen, werden nicht übernommen. Dazu zählt beispielsweise die Reparatur der Heizungsanlage. Dafür kann der Hartz-4-Empfänger allerdings ein Darlehen beim Jobcenter beantragen. Die Tilgungsraten übernimmt das Jobcenter nur in absoluten Ausnahmefällen.

Fazit zum Thema “Hartz 4 und Eigentumswohnung”

  • Hartz-4-Empfänger dürfen grundsätzlich eine angemessene Eigentumswohnung bewohnen. Diese zählt zum Schonvermögen.
  • Als angemessen können 120 m² bei einer vierköpfigen Familie betrachtet werden.
  • Auch die angemessenen Nebenkosten werden vom Jobcenter übernommen.
  • Für einmalige Instandhaltungskosten können Hartz-4-Empfänger ein Darlehen beantragen.
  • Eine vermietete Eigentumswohnung zählt als Vermögen und muss in der Regel verkauft werden.

Bildnachweise: fotolia.com/Henry Czauderna, depositphotos.com/alexanderkonsta, fotolia.com/Tiberius Gracchus

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Ein Kommentar - Kommentar hinterlassen
  • Claus -

    Hallo, wie sieht das aus, wenn mein Bruder mir (ich bekomme schon Hartz 4) eine kleine Eigentumswohnung (ca.50m2) kauft und mir die dann schenkt? Das Wohngeld inkl. Heizung wäre niedriger sein als meine jetzige Miete inkl. Heizung. Kann ich die annehmen ohne, das die mir angerechnet wird? Vielen Dank! LG Claus

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