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Wie lässt sich bei Hartz 4 das Gehalt anrechnen?

Arbeitslosengeld-2-Empfänger, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, erhalten aufgrund ihres Einkommens weniger Geld vom Jobcenter. Da jedoch arbeitende Leistungsbezieher finanziell besser gestellt sein sollen als solche, die keiner Beschäftigung nachgehen, gibt es laut dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) bestimmte Freibeträge, welche die Gehaltsanrechnung auf die Hartz-4-Leistungen beeinflussen.

Arbeitsaufnahme bei ALG-2-Bezug

Darf das Jobcenter bei Beziehern von Hartz 4 das Gehalt anrechnen?

Darf das Jobcenter bei Beziehern von Hartz 4 das Gehalt anrechnen?

Laut § 7 Abs. 1 des SGB II gehört es unter anderem zu den Voraussetzungen für den Bezug von Hartz-4-Leistungen, dass die betreffende Person hilfebedürftig ist. Das bedeutet, dass ein Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 nur dann besteht, wenn eine Person ihren Lebensunterhalt nicht aus dem zu berücksichtigenden Einkommen oder Vermögen sichern und von keiner anderen Stelle finanzielle Unterstützung erwarten kann.

Das Jobcenter setzt jedoch auch darauf, dass ALG-2-Empfänger möglichst schnell wieder finanziell auf eigenen Beinen stehen können. Die Aufnahme eines Mini-, Midi- oder Teilzeitjobs kann in vielen Fällen den Weg in eine volle Erwerbstätigkeit bedeuten, bei der kein Leistungsbezug mehr nötig ist.

Doch was geschieht, wenn ALG-2-Empfänger eine Erwerbstätigkeit aufnehmen? Dürfen sie ihr Einkommen komplett behalten? Oder lässt das Jobcenter bei Bezug von Hartz 4 das Gehalt auf die Leistungen anrechnen?

Welche Einnahmen von Hartz-4-Empfängern werden als Einkommen angerechnet?

Grundsätzlich gilt laut § 11 SGB II Folgendes: Erwirtschaftet ein Leistungsberechtigter ein Einkommen, so mindert dies seinen Anspruch, da seine Hilfebedürftigkeit dadurch verringert wird. Er erhält also monatlich weniger Geld vom Jobcenter. Doch welche Formen des Einkommens lassen sich beim Bezug von Hartz 4 überhaupt als Gehalt anrechnen?

Antworten auf die Frage finden sich in § 11 SGB II. Laut diesem wird unter anderem das folgende Einkommen bei der Berechnung der ALG-2-Leistungen berücksichtigt:

Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit muss das Jobcenter bei Hartz 4 als Gehalt anrechnen.

Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit muss das Jobcenter bei Hartz 4 als Gehalt anrechnen.

  • Einkommen aus selbstständiger und nicht selbstständiger Arbeit
  • Kapitaleinkünfte, die bei mehr als 100 Euro pro Person und Kalenderjahr liegen
  • Unterhaltszahlungen
  • Einkommen aus Verpachtung sowie Vermietung (außer bei einer Untervermietung zur Senkung der Wohnkosten)
  • Sozialleistungen, wie beispielsweise Arbeitslosengeld 1, BAföG, Krankengeld, Berufsausbildungsbeihilfe
  • Kindergeld

Demgegenüber gibt es jedoch auch andere Formen des Einkommens, welche sich bei Hartz 4 nicht als Gehalt anrechnen lassen. Beträge dieser Art werden nicht vom Jobcenter berücksichtigt und dürfen deshalb vom ALG-2-Empfänger in voller Höhe behalten werden:

  • Grundrenten nach dem Bundesversorgungsgesetz und Verletzten- und Hinterbliebenenrenten sowie Blindengeld
  • Entschädigungen, wie etwa Schmerzensgeld
  • Einnahmen einer Pflegeperson für die hauswirtschaftliche Versorgung sowie Leistungen der Grundpflege, die nicht steuerpflichtig sind
Leben Kinder, die jünger als 15 Jahre alt sind, in einer Bedarfsgemeinschaft, dürfen diese Ferien- oder Aushilfsjobs ausüben. Liegt das Einkommen bei weniger als 100 Euro im Monat, lässt das Jobcenter den Betrag nicht bei Hartz 4 als Gehalt anrechnen.

Anrechnung vom Gehalt in einer Hartz-4-Bedarfsgemeinschaft

Bei Bezug von Hartz 4 erfolgt die Gehaltsanrechnung nach einem strikten Plan.

Bei Bezug von Hartz 4 erfolgt die Gehaltsanrechnung nach einem strikten Plan.

Wir haben bereits erklärt, dass das Jobcenter Einkommen aus selbstständiger oder nicht selbstständiger Arbeit bei Hartz-4-Empfängern als Gehalt anrechnen muss. Der Anspruch auf ALG-2-Leistungen verringert sich damit entsprechend. Doch wie verhält es sich bei Leistungsberechtigen, die mit anderen Personen in einer Bedarfsgemeinschaft leben?

Grundsätzlich gilt laut den Regelungen des SGB II, dass Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft, die ein eigenes Einkommen erzielen, die anderen Personen finanziell unterstützen müssen. Ausnahmen bestehen, wenn Kinder über Einkommen oder Vermögen verfügen. In einem solchen Fall dürfen die Beträge vom Jobcenter nur für den Bedarf des Kindes angerechnet, jedoch nicht für die Eltern berücksichtigt werden.

Für Kinder und unverheiratete junge Erwachsene, die jünger als 25 Jahre alt sind, werden zusätzlich das Vermögen und Einkommen der Eltern berücksichtigt. Hierzu kommt es jedoch nur, wenn sie noch im Elternhaus leben.

Freibeträge, welche die Gehaltsanrechnung bei Hartz 4 beeinflussen

Gehaltsanrechnung bei Hartz-4-Empfängern: Freibeträge sorgen dafür, dass sie einen Teil des Einkommens behalten dürfen.

Gehaltsanrechnung bei Hartz-4-Empfängern: Freibeträge sorgen dafür, dass sie einen Teil des Einkommens behalten dürfen.

Damit ALG-2-Empfänger einen Anreiz dazu bekommen, eine Arbeit aufzunehmen, lässt das Jobcenter bei Bezug von Hartz 4 das Gehalt zwar anrechnen, jedoch nicht in vollem Umfang. Der Leistungsempfänger darf also einen Teil seines Einkommens behalten. Doch wie viel Geld bleibt einer Person tatsächlich übrig?

Der Grundfreibetrag für Hartz-4-Empfänger, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, liegt bei 100 Euro. Dieser Betrag wird nicht auf die Arbeitslosengeld-2-Leistungen angerechnet. Für Einkommen, welches über der Grenze von 100 Euro liegt, gelten die folgenden Regelungen:

  • Von einem Einkommen, welches zwischen 100 Euro und 1.000 Euro liegt, werden 20 Prozent nicht angerechnet.
  • Einkommen, welches zwischen 1.000 Euro und 1.200 bzw. 1.500 Euro liegt, bleibt zu 10 Prozent anrechnungsfrei.

Die Verdienstobergrenze liegt für erwerbstätige Leistungsempfänger laut SGB II bei 1.200 Euro. Der Betrag erhöht sich auf 1.500 Euro, wenn die Person mindestens ein Kind hat.

Das folgende Beispiel soll verdeutlichen, wie das Jobcenter bei Bezug von Hartz 4 das Gehalt anrechnen darf: Matthias verdient 1.050 Euro brutto im Monat. Er besitzt kein Vermögen.

  • Er darf den Grundfreibetrag in Höhe von 100 Euro voll behalten.
  • Von 100 Euro bis 1.000 Euro bleiben 20 Prozent anrechnungsfrei, das sind also 180 Euro.
  • Der restliche Betrag ist zu zehn Prozent anrechnungsfrei, das sind in diesem Beispiel 5 Euro.
  • Alles in allem liegt der Freibetrag, den das Jobcenter für den Bezieher von Hartz 4 nicht als Gehalt anrechnen darf, also bei 285 Euro.

Was geschieht bei einmaligen Einnahmen oder Saisonarbeit?

Sonderregelungen greifen, wenn das Jobcenter für Saisonarbeiter, die Hartz 4 beziehen, das Gehalt anrechnen will.

Sonderregelungen greifen, wenn das Jobcenter für Saisonarbeiter, die Hartz 4 beziehen, das Gehalt anrechnen will.

Oftmals können ALG-2-Empfänger keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgehen, da sie beispielsweise nur befristet angestellt werden. Dabei kann es durchaus passieren, dass der Betroffene in relativ kurzer Zeit einen so hohen Betrag verdient, dass sich sein Leistungsanspruch stark vermindert oder dieser gar ganz entfällt. Wie lässt in einer solchen Situation das Jobcenter bei Hartz 4 das Gehalt anrechnen?

Entfiele durch ein einmaliges oder unregelmäßiges Einkommen kurzfristig der Hartz-4-Anspruch, müsste sich der Betroffene beim Jobcenter jeweils zunächst ab- und dann wieder anmelden – inklusive neuem ALG-2-Antrag. Dies würde einen unnötig hohen Verwaltungsaufwand bedeuten. Aus diesem Grund lässt das Jobcenter bei Bezug von Hartz 4 ein solches Gehalt nicht sofort anrechnen. Vielmehr wird das Einkommen auf mehrere Monate aufgeteilt und jeweils immer nur eine Teilsumme angerechnet.

Fazit zum Thema „Hartz 4 und Gehalt anrechnen“

  • Grundsätzlich verringert ein Einkommen oder vorhandenes Vermögen den Anspruch auf ALG-2-Leistungen.
  • Verfügt ein Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft über ein Einkommen, wird dieses nicht nur für seinen eigenen Bedarf, sondern auch für den der anderen Personen berücksichtigt.
  • Bei Bezug von Hartz 4 beträgt der Grundfreibetrag 100 Euro. Von Einkommen, das zwischen 400 und 1.000 Euro liegt, sind zusätzlich 20 Prozent, bei Beträgen über 1.000 Euro zehn Prozent anrechnungsfrei.

Bildnachweise: depositphotos.com/Koldunova_Anna, fotolia.com/Robert Kneschke, fotolia.com/Andrey Popov, fotolia.com/Ewald Fröch

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