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Rente in Deutschland: Ab wann und wie ist sie möglich?

Der Begriff Rente umfasst im deutschen Sprachgebrauch eine Reihe von Transferleistungen. Altersrente, Erwerbsminderungsrente, Erwerbsunfähigkeitsrente, Invalidenrente, Waisen- und Halbwaisenrente – all diese und mehr Renten sind nach dem deutschen Rentensystem möglich. Durch die Erfüllung verschiedener Bedingungen kann ein Rentenanspruch auf die verschiedenen Gelder entstehen. Gesetze regeln die Kriterien für den Anspruch und die Finanzierung der Renten.

Wichtige Informationen zur Rente:

Erwerbsminderungsrente

Geschichte der Rente

Die Rente in Deutschland soll einen gemütlichen Lebensabend ermöglichen.

Die Rente in Deutschland soll einen gemütlichen Lebensabend ermöglichen.

Das Wort Rente bezeichnet ganz allgemein ein Einkommen. Das Besondere daran ist, dass es ohne eine konkrete Gegenleistung gezahlt wird. So leitet sich der Begriff auch aus dem Lateinischen, von dem Wort reddere „zurückgeben“, ab. Heute wird damit in der Regel die Altersrente nach einem langen Arbeitsleben gemeint.

Da die Rente ein Teil des deutschen Sozialsystems ist, blickt auch sie auf eine lange Geschichte zurück. Die Rente war die dritte Sozialleistung, die 1889 in das damals revolutionäre Sozialversicherungssystem eingegliedert wurde. Älter sind nur die deutsche Unfallversicherung (1884) und die Krankenversicherung (1883).

Heute umfasst die Rente in Deutschland drei große Kategorien.

  1. Rente wegen hohem Alter
  2. Rente auf Grund geminderter Erwerbsfähigkeit
  3. Rente als Kompensation für den Tod eines Familienmitglieds

Historische Probleme mit der Rente

Eine zentrale Frage beim Thema der Rente war schon immer die Finanzierung. Ursprünglich wurde die Rentenkasse durch ein Sparsystem finanziert. Dies kollabierte jedoch mit der Hyperinflation des ersten Weltkrieges und die Ersparnisse verloren rasant an Wert. Damit wurde klar, dass ein solches System wirtschaftliche Krisen nicht gut kompensieren kann.

Die Lösung für dieses Problem ist das, was heute Generationenvertrag genannt wird. Dabei kommen die aktuellen Beitragszahler (die lohnsteuerpflichtig arbeitende Bevölkerung) für die aktuellen Kosten der Rente auf. Durch den Geldzufluss und die Verwendung der Gelder wird eine massive Entwertung von Rücklagen verhindert.

Doch seit dem Ende des zweiten Weltkrieges zeichnet sich ein neues Problem mit der Rente ab. Die Umkehrung der Bevölkerungspyramide bedingt, dass immer weniger Beitragszahler immer mehr Renten finanzieren müssen. Damit steigt entweder die Finanzlast auf den einzelnen Beitragszahlenden oder der Leistungsumfang sinkt für die Personen, für die ein gesetzlicher Rentenanspruch besteht.

Rente beantragen: Ab wann kann ich in Rente gehen?

Gesetzliche Vorschriften zur Rente finden sich im Sechsten Sozialgesetzbuch.

Gesetzliche Vorschriften zur Rente finden sich im Sechsten Sozialgesetzbuch.

Nicht für jeden ist der Anspruch auf eine Rente gleichbedeutend mit dem Ende der Arbeitskarriere. Bestimmte Renten, wie die Witwen- oder Waisenrente sind gar nicht an den Stand im Erwerbsleben gekoppelt.

Trotzdem wollen wir uns im Folgenden auf alle Arten der Rente eingehen, sowohl die mit der Erwerbsfähigkeit bzw. einem Mangel daran zusammenhängen als auch die anderen.

Erwerbsminderungs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente

Bereits vor dem Erreichen des Renteneintrittsalters können verschiedene Umstände dafür sorgen, dass ein Mensch nur noch gemindert oder gar nicht mehr in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Für diesen Fall gibt es die sogenannte Erwerbsunfähigkeitsrente (EU-Rente) bzw. Erwerbsminderungsrente. Damit soll dafür gesorgt werden, dass eine Person, die wegen Behinderung oder Krankheit in ihrer Erwerbsfähigkeit gemindert ist, einen finanziellen Ausgleich erhält, um nicht an Unterversorgung zu leiden.

Je nach Ursache muss eine EU-Rente bei der Unfall- oder Rentenkasse beantragt werden.

Für eine Rente durch Erwerbsminderung ist ein langer und aufwändiger Antragsprozess nötig. Für viele Menschen, die gerade ihre Arbeit und ihren Lebenskern verloren haben, kann dies bereits eine Tortur sein. Am Ende des Antrags steht eine medizinische Untersuchung, die den Grad der Erwerbsminderung feststellt. Dabei können drei Entscheidungen ergehen:

  1. Anerkennung einer teilweisen Erwerbsminderung
  2. Anerkennung der vollen Erwerbsminderung
  3. Ablehnung des Antrags

Um einen Anspruch auf diese Rente zu erhalten, ist es nötig, dass die mögliche Arbeitsleistung durch Krankheit oder einen Arbeitsunfall eingeschränkt wurde. Interessanterweise bestimmt die Ursache der Minderung, ob die gesetzliche Renten- oder Unfallversicherung dafür verantwortlich ist. In beiden Fällen handelt es sich bei der Erwerbsminderungsrente um eine gesetzliche Rente.

Witwen- und Waisenrenten

Neben der Rente für den Fall der geminderten Erwerbsfähigkeit gibt es auch noch andere Leistungen, die der Sozialstaat zu zahlen bereit ist. So sieht der Staat die Familie als grundlegende Einheit, in der sich die Personen gegenseitig unterstützen. In den klassischen Modellen wurde davon ausgegangen, dass der Mann einer Erwerbsarbeit nachgeht, während die Frau die Arbeit für das Aufziehen der Kinder und die Instandhaltung des Haushaltes übernahm.

Die staatliche Rente umfasst auch die Witwen- oder Erwerbsminderungsrente.

Die staatliche Rente umfasst auch die Witwen- oder Erwerbsminderungsrente.

Seit 1986 ist die Rente für Frauen und Männer bei der Witwenrente gleichgestellt. So können sowohl Witwen als auch Witwer eine Kompensation, für den Einkommensausfall durch den Tod eines arbeitenden Familienmitgliedes, erhalten. Damit dies jedoch möglich ist, muss die Ehe bereits mindestens ein Jahr bestehen. Einnahmen der arbeitenden Hinterbliebenen werden gegen den Betrag der Hinterbliebenenrente angerechnet.

Aber auch hier gibt es Unterschiede. In der Regel ist eine Rente für Hinterbliebene die sogenannte kleine Witwenrente. Diese Rente wird für maximal 24 Monate gezahlt und beträgt ungefähr 25 % Erwerbsminderungsrente des Verstorbenen. Liegt jedoch bei der rentenberechtigten Person noch eine andere Erschwernis vor, wie eine eigene Erwerbsminderung. In diesen Fällen ist die gezahlte Rente eine große Witwenrente.

Diese ist umfangreicher (ungefähr 55 % der Rente des Verstorbenen) und wird auch nicht auf maximal 24 Monate befristet. Aber damit diese gewährt werden kann ist mindestens eine der folgenden Voraussetzungen nötig.

  • Erziehung eines Kindes unter 18 Jahren
  • Vorliegen einer Erwerbsminderung
  • Witwe/r hat das 45. bzw. 47. Lebensjahr vollendet

Altersrente in Deutschland

Die bekannteste und meistgenutzte Form der Rente ist die Rente wegen hohem Alter bzw. Altersrente. Wenn eine Person durch das hohe Alter langsam ihre Erwerbsfähigkeit einbüßt, soll mit der Rente ein angenehmer Lebensabend ermöglicht werden. Wie hoch die Rente letztendlich ist, ergibt sich aus einer Reihe von Faktoren, die den Rentenanspruch letztendlich genau bestimmen.

Die “Rente” für Richter, Beamte und Soldaten heißt Pension und unterliegt in einigen Facetten anderen Regeln und Gesetzen.

Die Monatsrente errechnet sich aus dem Produkt von persönlichen Entgeltpunkten, Zugangsfaktor, Rentenwert und dem Rentenartfaktor. Nachdem all diese Werte multipliziert wurden, ergibt sich der Betrag, der einem Rentenempfänger monatlich zur Verfügung steht. Doch wie ergeben sich die Größen, die hier berechnet werden?

Faktoren für die Berechnung der gesetzlichen Rente

Um die Rente zu berechnen, ist die Rentenformel nötig.

Um die Rente zu berechnen, ist die Rentenformel nötig.

Um die Rente zu berechnen, werden die oben genannten Faktoren verwendet. Diese ergeben sich aus dem Arbeitsleben der Person, dem Zeitpunkt des Renteneintritts, der Art der zu beziehenden Rente und dem aktuellen Rentenwert. Aus diesen Größen wird jedes Jahr der aktuelle Rentenbetrag errechnet. Somit steht die gezahlte Rentensumme immer im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation in Deutschland.

Doch wie errechnen sich die einzelnen Faktoren, die eine gesetzliche Altersrente bestimmen? Wie kann eine möglichst hohe oder abschlagfreie Rente bezogen werden? Wie schädlich ist es, früher in Rente zu gehen?

Die individuellen Entgeltpunkte (EP)

Diese Punkte dienen dazu, die Zeit zu belegen, in der einer beitragspflichtigen Arbeit nachgegangen wurde. Angestellte, die einen Anspruch auf die gesetzliche Rente erwerben, bekommen im Jahr so viele Entgeltpunkte für die Rente, wie es dem Verhältnis von individuellem Einkommen zum gesellschaftlichen Durchschnittseinkommen aller Versicherten ist.

Vor dem Eintritt in die Rente wird die Summe der Entgeltpunkte in die Rentenformel eingefügt und bestimmt maßgeblich den letztendlichen monatlichen Betrag der Altersrente. Studentische Hilfskräfte oder Mini-Jobber werden oft vor die Wahl gestellt, sich von der Rentenversicherung befreien zu lassen. Dadurch geht ihr Einkommen nicht in den Durchschnitt ein, es werden keine Entgeltpunkte für die Rente generiert, aber sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sparen Geld bei den Lohnnebenkosten.

So sorgen alle freiwillig Beitragsbefreiten nicht nur dafür, dass das erreichbare Rentenniveau für alle sinkt. Sondern schmälern auch ihren eigenen zukünftigen Rentenanspruch.

Der Zugangsfaktor

Die nächste relevante Größe, um die Rente zu bestimmen, ist der sogenannte Zugangsfaktor. Dieser beeinflusste die endgültige Rente abhängig von Renteneintrittsalter. Je nachdem, wie weit der Renteneintritt vor oder hinter der Regelaltersgrenze liegt.

So wird der Eintritt in die vorzeitige Rente möglich. So ist es schon bis zu fünf Jahre vor dem Erreichen des Regelrentenalters möglich, in den Ruhestand zu gehen. Früher als mit 67 in Rente gehen, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen, können allerdings nur Personen, die vor 1964 geboren sind. Andere Personen, die vor Erreichen des 67. Lebensjahres in den Ruhestand gehen, können ihre Rente nicht abschlagfrei erhalten.

RentenbeginnZugangsfaktor für die Altersrente
Fünf Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,820
Vier Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,856
Drei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,892
Zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,928
Ein Jahr vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,964
Ein Monat vor Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente0,997
Regelrenteneintrittsalter1,000
Ein Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,005
Ein Jahr nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,060
Zwei Jahre nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,120
Drei Jahre nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,180
Vier Jahre nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,240
Fünf Jahre nach Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente1,300

Nach dieser Rechnung wäre eine Rente ab 60 nur mit großen Abschlägen möglich. Bei einer Rente mit 63 sind die Abschläge, die in Kauf genommen werden müssen, schon kleiner. Dahingehend steigt die Rente ab dem 67. Lebensjahr über den normalen Betrag hinaus. Ob eine Rente mit 60 also sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Abschläge bei der gesetzlichen Altersvorsorge hingenommen werden können. Um sich eine maximale gesetzliche Rente zu sichern, hilft es, früh mit einer Erwerbsarbeit zu beginnen und spät im Leben damit aufzuhören.

Der Rentenartfaktor

Da die gesetzliche Rentenformel eine allgemeine ist, bezieht sie sich nicht nur auf die Rente im Alter. Auch andere Renten wie die EU-Rente oder die Witwenrente werden nach dieser Formel berechnet. Dementsprechend wird der gesetzliche Rentenartfaktor benötigt, um die unterschiedlichen Formen der Rente gegeneinander zu skalieren.

Die Faktoren sollen dabei widerspiegeln, welches wirtschaftliche Potenzial dem Empfänger noch zur Verfügung steht.

  • Teilweise Erwerbsminderungsrente: 0,5
  • Volle Erwerbsminderungsrente: 1,0
  • Große Witwenrente: 0,55
  • Halbwaisenrente: 0,1

Aktueller Rentenwert

Neben den Faktoren in Bezug auf das Arbeitsleben und den Zeitpunkt des Renteneintrittes wirkt noch ein weiterer Teil der Formel. Dieser für die Rente maßgebliche Wert ist der sogenannte Rentenwert. Dieser ergibt sich aus der wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik Deutschland und wird jahresaktuell berechnet.

Der Rentenwert kann als Preis für einen Rentenpunkt bezeichnet werden. Seit das System verwendet wird, ist die staatliche Rente gestiegen. Das ist allerdings nicht gleichzusetzen mit mehr Wohlstand im Alter. Ob die Rentensteigerung in der Lage ist, den Anstieg der Lebenshaltungskosten zu decken, ist immer wieder Teil der politischen Diskussion und Altersarmut ist eine wachsende Gefahr für die Gesellschaft.

Durch die Rentenreform der 1950er bis in die 1970er Jahre hinein, konnte der Rentenwert in der BRD massiv gesteigert werden. Die Reformen danach bewirkten eher eine Verminderung des Rentenanstieges. Trotzdem ist es dem deutschen Staat so gelungen dieses alte System bis heute aufrechtzuerhalten.

Der sogenannte Ertragsanteil der Rente ist der steuerpflichtige Teil. Dieser muss bei Eintritt in die Rente gezahlt werden und ist höher, wenn die Rente vorzeitig bezogen wird.

Schützt die Rente vor Armut im Alter?

In Deutschland sind ca. 15,6 % der Rentner von Altersarmut bedroht. Ihr Rentenbetrag liegt aus verschiedenen Gründen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Da diese Leute Grundsicherung neben der Rente beziehen müssen, scheint die Frage, ob die gesetzliche Altersvorsorge ausreicht, gerechtfertigt.

Viele Senioren brauchen die Grundsicherung trotz Rente.

Viele Senioren brauchen die Grundsicherung trotz Rente.

Das Rentensystem orientiert sich an klassischen Arbeitsverhältnissen und -gesetzen. In diesen ist der Arbeiter quasi eine wertvolle Investition des Arbeitgebers. Die Anstellungsverhältnisse sollen möglichst lange andauern und es dem Arbeitnehmer ermöglichen, eine gesicherte Existenz aufzubauen. Auf dem modernen Arbeitsmarkt sind diese Strukturen jedoch nicht mehr selbstverständlich. Die Anforderung am Arbeitsmarkt „flexibel“ zu sein, bedingt, dass viele Karrieren von kurzen Phasen der Arbeitslosigkeit durchsetzt sind. Dadurch werden auch Rentenpunkte verspielt und letztendlich eine geringere Rente verdient.

Die Rentenlücke bezeichnet den Abstand zwischen Rente und letztem Netto-Gehalt. Dieser theoretische Mangel wird oftmals durch private Reserven kompensiert.

So ist es möglich, trotz einer erfolgreichen Karriere nach Erreichen des Renteneintrittsalters die Grundsicherung neben der Rente beantragen zu müssen. Von der Rente muss die Krankenversicherung ebenfalls gezahlt werden. Diese beträgt einen bestimmten Prozentsatz an der Rente. So sind die Beiträge zu Versicherung bei der Rente ein weiterer Punkt, der den letztendlichen Rentenbetrag beeinflusst.

Fazit zur Rente

  • Die Höhe der Rente hängt vom Renteneintritt, Summe der Entgeltpunkte dem aktuellen Rentenwert und dem Zugangsfaktor ab (bei Altersrente: 1).
  • Das Rentensystem (der Altersrente) orientiert sich an Beschäftigungsverhältnissen, die früh im Leben beginnen und lange bestehen.
  • Neben der Rente im Alter gibt es bspw. noch die EU-Rente, die Witwenrente oder die Halbwaisenrente.

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