Logo Facebook

Zumutbare Arbeit: Wann darf eine Arbeit verweigert werden?

Als Arbeitsloser sind Sie verpflichtet, sich regelmäßig zu bewerben, um Ihre Hilfsbedürftigkeit zu beenden. Doch Sie müssen nicht jede Beschäftigung annehmen, wenn es sich dabei nicht um eine zumutbare Arbeit handelt. Wann ist eine Arbeit zumutbar und wann besteht die Möglichkeit, diese ohne Folgen zu verweigern?

Was ist zumutbare Arbeit: Definition

Jede Beschäftigung ist im Grunde eine zumutbare Arbeit

Jede Beschäftigung ist im Grunde eine zumutbare Arbeit

Das Jobcenter hat im letzten Jahr 90.000 Sanktionen gegen Hartz-4-Empfänger verhängt, weil diese eine Arbeitsstelle nicht angenommen haben. Grundsätzlich kann der erwerbsfähige Leistungsberechtigte eine Arbeit bei Unzumutbarkeit ablehnen, wenn dafür nachvollziehbare Gründe vorliegen. Jedoch muss das im Vorfeld immer mit dem Sachbearbeiter abgesprochen sein, ansonsten könnte ihm die Leistung gekürzt oder im schlimmsten Fall gestrichen werden.

Die Zumutbarkeit wird im Absatz 1 des dritten Sozialgesetzbuchs wie folgt definiert:

Einer arbeitslosen Person sind alle ihrer Arbeitsfähigkeit entsprechenden Beschäftigungen zumutbar, soweit allgemeine oder personenbezogene Gründe der Zumutbarkeit einer Beschäftigung nicht entgegenstehen.

Eine Arbeit ist nicht unzumutbar, nur weil

  • sie den Kenntnissen und Fähigkeiten der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person nicht entspricht. D.h., dass der Hartz-4-Empfänger eine Beschäftigung auch annehmen muss, selbst wenn er für diese überqualifiziert ist,
  • die neue Arbeitsstätte weiter entfernt liegt als die vorherige,
  • die neuen Arbeitsbedingungen schlechter sind als bei den bisherigen Beschäftigungen,
  • dadurch eine Erwerbstätigkeit beendet werden muss. Es sei denn, die Hilfebedürftigkeit könnte durch die bisherige Tätigkeit beendet werden.

Was ist eine unzumutbare Arbeit?

Sie können auch eine zumutbare Arbeit unter Umständen verweigern

Sie können auch eine zumutbare Arbeit unter Umständen verweigern

Unter Umständen kann eine Arbeit verweigert werden, wenn dafür bestimmte Gründe vorliegen. Wenn eine dieser Aussage auf Sie zutrifft, bleibt die Ablehnung für Sie folgenlos:

Die Arbeit ist körperlich, seelisch oder geistig unzumutbar

Eine Arbeit ist nicht zumutbar, wenn der Arbeitnehmer körperlich, seelisch oder geistig nicht in der Lage ist, diese auszuüben. Beispielsweise muss ein Ex-Alkoholiker nicht in einer Bar arbeiten, sowie jemand mit Klaustrophobie muss nicht als Fahrstuhlführer seinen Lebensunterhalt verdienen.

Die Ausübung erschwert die künftige Ausübung der bisherigen Arbeit

Eine unzumutbare Arbeit kann auch dann vorliegen, wenn deren Ausübung „die künftige Ausübung der bisherigen überwiegenden Arbeit wesentlich erschweren würde, weil die bisherige Tätigkeit besondere körperliche Anforderungen stellt.“ (§ 10 SGB II Zumutbarkeit)

Die Erziehung eines Kindes wird durch die Arbeit beeinträchtigt

Bei Kindern unter drei Jahren darf ein Elternteil folgenlos jede Maßnahme zur Eingliederung verweigern. Es ist dabei den Eltern überlassen, wer die Erziehung des Kindes übernimmt.

Bei Kindern ab drei Jahren darf ein Elternteil ebenfalls eine Arbeit verweigern, wenn während der Abwesenheit der Eltern keine Betreuung durch Dritte gewährleistet werden kann bzw. nicht möglich ist, da das Kind beispielsweise pflegebedürftig ist.

Die Pflege der Angehörigen wird durch die Arbeit beeinträchtigt

Zumutbare Arbeit darf verweigert werden wenn sie die Pflege Ihrer Angehörigen behindert

Zumutbare Arbeit darf verweigert werden, wenn sie die Pflege Ihrer Angehörigen behindert

Wenn Sie durch eine Arbeit Ihre Angehörigen nicht mehr pflegen können, dann gilt diese als eine nicht zumutbare Beschäftigung. Als Angehörige gelten Ehepartner, Verlobte, Eltern, Geschwister, Verschwägerte, Kinder von Geschwistern, Pflegeeltern, Pflege- und Stiefkinder.

Sie erhalten für die Beschäftigung einen Dumpinglohn

Dumpinglohn ist niedriger Lohn, den Firmen ihren Mitarbeitern zahlen, um ihre Kosten möglichst zu minimalisieren. Da Dumpinglohn rechtswidrig ist, können Sie eine solche Arbeit folgenlos verweigern.

Die neue Arbeit ist rechts- oder sittenwidrig

Der erwerbfähige Leistungsberechtigte muss keine Arbeit annehmen, bei der er eine strafbare Handlung begehen und gegen geltendes Recht verstoßen muss.

Zumutbare Arbeit darf unter Umständen verweigert werden: Fazit

  • Wenn der erwerbsfähige Leistungsberechtigte nachweisen kann, dass es sich bei der ihm vorgeschlagenen Arbeit um eine unzumutbare Arbeit handelt, kann er diese verweigern.
  • Das trifft beispielsweise zu, wenn die Person körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage ist, die Tätigkeit auszuüben oder wenn die Betreuung eines Kindes bzw. die Pflege der Angehörigen durch die Arbeit unmöglich gemacht wird.
  • Eine Arbeit gilt auch als unzumutbar, wenn sie rechts- oder sittenwidrig ist oder mit einem Dumpinglohn vergütet wird.

Bildnachweis: Fotolia.com/Photographee.eu, iStock.com/monkeybusinessimages

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (47 Bewertungen, Durchschnitt: 3,96 von 5)
Loading...

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.