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Mehrbedarf bei einer Behinderung: Wie viel steht Hartz-4-Empfängern zu?

Hartz-4-Empfänger, die eine Behinderung haben, können beim Jobcenter einen Antrag auf einen Mehrbedarf stellen, sofern Sie Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit besuchen. Der Mehrbedarf beträgt in dem Fall 35 % des maßgeblichen Regelsatzes. Bei einer Schwerbehinderung kann ein Mehrbedarf von 17 % geltend gemacht werden.

Voraussetzungen für den Hartz-4-Mehrbedarf bei einer Behinderung

Sind Sie schwerbehindert und beziehen Hartz 4? Ein Mehrbedarf kann bewilligt werden.

Sind Sie schwerbehindert und beziehen Hartz 4? Ein Mehrbedarf kann bewilligt werden.

Beziehen Sie Hartz 4 und eine Behinderung liegt bei Ihnen vor, können Sie unter besonderen Umständen einen Antrag auf Mehrbedarf beim Jobcenter stellen. Eine Behinderung liegt vor, wenn die körperlichen Funktionen, geistige Fähigkeiten oder der seelische Zustand der Person um mindestens ein halbes Jahr vom typischen Alter abweichen.

Der Mehrbedarf bei einer Behinderung ist in Sozialgesetzbuch II fest verankert. Das SGB II geht in § 30 Abs. 4 folgendermaßen auf den Mehrbedarf bei einer Behinderung und Hartz-4-Bezug ein:

Für behinderte Menschen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben und deren Eingliederungshilfe nach § 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 3 geleistet wird, wird ein Mehrbedarf von 35 vom Hundert der maßgebenden Regelbedarfsstufe anerkannt, soweit nicht im Einzelfall ein abweichender Bedarf besteht. Satz 1 kann auch nach Beendigung der in § 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 3 genannten Leistungen während einer angemessenen Übergangszeit, insbesondere einer Einarbeitungszeit, angewendet werden.

Die wichtigste Voraussetzung, damit ein Anspruch auf den Mehrbedarf bei Hartz 4 für Behinderte besteht, ist, dass der Leistungsberechtigte zusätzlich zu seiner Behinderung noch erwerbsfähig sein muss. Die Erwerbsfähigkeit ist gegeben, sofern der Hartz-4-Empfänger mindestens drei Stunden täglich erwerbsfähig sein kann.

Sie haben allerdings nur dann einen Anspruch auf einen ALG-2-Mehrbedarf bei einer Behinderung, wenn Sie Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 33 SGB IX, Eingliederungshilfen nach § 54 Abs. 1 Satz 1 bis 3 SGB XII oder sonstige Hilfen zur Erlangung eines geeigneten Arbeitsplatzes bekommen.

Übrigens: Ein behinderungsbedingter Mehrbedarf ist kein ausbildungsbedingter Bedarf. Auszubildende Behinderte, deren Ausbildung mit BAföG oder einer Ausbildungsbeihilfe gefördert wird, haben keinen Anspruch auf einen Mehrbedarf für Behinderte bei Hartz-4-Bezug.

Beziehen Sie Hartz 4 und eine Behinderung liegt vor, müssen Sie für den Mehrbedarf den Grad Ihrer Behinderung (GdB) nicht nachweisen. Das Jobcenter muss den GdB von Amts wegen selbst ermitteln. Eine ärztliche Bescheinigung über den GdB ist daher nicht notwendig.

Wie hoch ist bei Hartz-4-Bezug der Mehrbedarf für Behinderte?

Erfüllen Sie die oben genannten Voraussetzungen für den Mehrbedarf bei einer Behinderung, erhalten Sie 35 % des maßgeblichen Regelbedarfs vom Jobcenter. Der Mehrbedarf wird immer zusätzlich zum Regelsatz gezahlt.

Bei einem aktuellen Regelsatz für Alleinstehende [Stand 2017] von 409 Euro, beträgt der Mehrbedarf bei Hartz 4 und einer Behinderung 143,15 Euro. Dementsprechend erhalten Hartz-4-Empfänger mit einer Behinderung monatlich insgesamt 552,15 Euro vom Jobcenter ausgezahlt. Zusätzlich werden die angemessenen Kosten für Miete und Heizung übernommen.

Interessant: Haben Sie eine Behinderung oder Krankheit, durch die eine kostenaufwändige Ernährung benötigt wird? In diesem Fall haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf einen Mehrbedarf bei kostenaufwändiger Ernährung zu stellen. Der Bedarf muss in der Regel von einem Arzt bescheinigt werden.

Mehrbedarf bei einer Schwerbehinderung mit Merkzeichen G

Beziehen Sie Grundsicherung, kann ein Mehrbedarf bei einer Schwerbehinderung beantragt werden.

Beziehen Sie Grundsicherung, kann ein Mehrbedarf bei einer Schwerbehinderung beantragt werden.

Personen, die nicht erwerbsfähig sind, können bei Bezug von Hartz 4 und einer Schwerbehinderung einen Mehrbedarf nach § 21 Abs. 2 SGB VI geltend machen. Der Mehrbedarf bei einer Behinderung beträgt in diesem Fall 17 % des maßgeblichen Regelbedarfs.

Bei einem derzeitigen Regelsatz von 409 Euro für Alleinstehende [Stand 2017] beträgt der Mehrbedarf für Schwerbehinderte dementsprechend 69,53 Euro. Vom Jobcenter wird die Schwerbehinderung nur anerkannt, wenn für den Mehrbedarf das Merkzeichen G im Ausweis eingetragen ist.

Grundsätzlich kann allerdings bei einer Schwerbehinderung und Hartz-4-Bezug auch im Einzelfall ein abweichender Bedarf festgestellt werden. Einen Antrag auf Mehrbedarf bei einer Behinderung können Sie beim zuständigen Sachbearbeiter formlos als Dreizeiler stellen.

Übrigens: Ein Mehrbedarf für den Wohnraum für Schwerbehinderte kann ebenfalls bewilligt werden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Quadratmeterzahl der Wohnung leicht überschritten wird, der Hartz-4-Empfänger allerdings im Rollstuhl sitzt und für das Wenden der Gehhilfe oder des Rollstuhls mehr Platz benötigt. Ein größerer Wohnraum kann auch bei einer Sehbehinderung bewilligt werden. Die Entscheidung wird allerdings vom zuständigen Jobcenter im Einzelfall getroffen.

Fazit: Mehrbedarf bei Hartz 4 und einer Behinderung

  1. Ein Mehrbedarf bei einer Behinderung und Hartz-4-Bezug steht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zu, die eine Behinderung haben und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Eingliederungshilfen oder sonstige Hilfen beziehen.
  2. Der Mehrbedarf für Behinderte beträgt 35 % des maßgeblichen Regelsatzes.
  3. Nicht erwerbsfähige Schwerbehinderte können ebenfalls einen Mehrbedarf geltend machen, sofern sie Sozialhilfe beziehen und einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen G haben.
  4. Der Mehrbedarf bei einer Schwerbehinderung beträgt 17 % des maßgeblichen Regelsatzes.
  5. Zudem kann bei einer Behinderung je nach Einzelfall ein Mehrbedarf für größeren Wohnraum bewilligt werden.

Bildnachweise: fotolia.com/M.Dörr & M.Frommherz, fotolia.com/RioPatuca Images

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  • Oehlschlägel-Eichler -

    Ich bin seit 12.03.2014 Krankgeschrieben wegen der Krankheit habe ich auch ein Schwerbehinderten Ausweis seit dem 06.01.2016 mit dem Merkzeichen G bekommen mit 60 % wurde auch dem Ärztlichen Dienst Vorgestellt durch die Agentur für Arbeit hab vom 15.03.2016 bis 14.09.2016 also für 6 Monaten Erwerbsminderung wenigsten 3 Stunden das verstehe ich alles nicht bin ich verpflichtet nach Ablauf der 6 Monate das neu zu beantragen oder das oder das Jobcenter.Frage bekomme ich ein Mehrbedarf von 17% habe ich beantragt wurde abgelehnt bringt das was wenn ich ein Überprüfungsantrag stelle kann ich da nach teile bekommen hab Hartz 4 Danke im voraus

    • hartz4.net -

      Hallo Herr Oehlschlägel-Eichler,

      da uns die genauen Hintergründe unbekannt sind, lässt sich die Frage nicht konkret beantworten. Es kann natürlich sein, dass Sie aufgrund der Krankschreibung nur vorübergehend erwerbsgemindert sind. Sie sind erwerbsfähig, wenn Sie mindestens drei Stunden am Tag arbeiten können. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Sachbearbeiter, ob eine erneute Prüfung notwendig ist.

      Ihr Team von arbeitslosenselbsthilfe.org

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