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Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Definition, Antrag und Auswirkungen

Eine temporäre Bedarfsgemeinschaft entsteht, wenn das Kind getrennt lebender Eltern überwiegend beim sorgeberechtigten Elternteil und temporär, also zeitlich begrenzt, beim umgangsberechtigten Elternteil wohnt. Liegt eine Hilfebedürftigkeit vor, kann für die Zeit, in der das Kind zu Besuch ist, eine temporäre Bedarfsgemeinschaft beantragt werden, wodurch der Antragsteller anteilig den Regelsatz vom Sprössling erhält, um für das Kind in diesem Zeitraum sorgen zu können.

Wann handelt es sich beim Bezug von Hartz 4 um eine temporäre Bedarfsgemeinschaft?

Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Was ist das eigentlich?

Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Was ist das eigentlich?

Gemäß § 7 Sozialgesetzbuch II (SGB II) bilden Menschen, welche einen Anspruch auf Hartz 4 haben und in einem Haushalt zusammenleben, bei denen ein wechselseitiger Wille, Verantwortung füreinander zu tragen, zu erkennen ist, eine Bedarfsgemeinschaft.

Dies ist also beispielsweise bei Verheirateten oder aber Paaren mit Kindern der Fall. Doch was passiert eigentlich, wenn sich die Elternteile trennen und der Sprössling im Rahmen eines Umgangsrechts bei beiden Eltern Zeit verbringt?

Grundsätzlich zählt der Sprössling zu der Bedarfsgemeinschaft des Elternteils, bei dem er dauerhaft wohnt. Hält er sich allerdings bei dem anderen Elternteil pro Tag für mehr als zwölf Stunden auf, so entsteht in diesem Zeitraum eine sogenannte temporäre Bedarfsgemeinschaft.

Für eine temporäre Bedarfsgemeinschaft ist ein formloser Antrag beim zuständigen Jobcenter einzureichen. Sprechen Sie sich diesbezüglich mit Ihrem zuständigen Sachbearbeiter ab.

Temporäre Bedarfsgemeinschaft = Kürzung vom Regelbedarf?

Aber wie wirkt sich eine temporäre Bedarfsgemeinschaft eigentlich auf den Hartz-4-Anspruch aus? Für die jeweiligen Elternteile ändert sich nichts, an den ihnen zustehenden Regelsätzen. Entscheidend ist der maßgebende Regelsatz des Kindes.

Dieser wird nämlich aufgeteilt. Für jeden Tag, den der Sprössling sich mehr als den halben Tag (also zwölf Stunden) beim Vater oder der Mutter aufhält, steht dem entsprechenden Elternteil 1/30 des Regelsatzes vom Kind zu.

Die Berechnung kann an dieser Stelle also schon einmal recht kompliziert werden. Ist keine einheitliche Regelung für das ganze Jahr zwischen den beiden Parteien getroffen, muss für jeden Monat ein erneuter Antrag auf temporäre Bedarfsgemeinschaft beim Jobcenter eingereicht werden.

Kann eine temporäre Bedarfsgemeinschaft rückwirkend anerkannt werden?

Rückwirkend die temporäre Bedarfsgemeinschaft und somit zusätzliche Leistungen zu beantragen, ist in aller Regel schwierig, da in diesem Fall die Nachweisbarkeit nicht gewährleistet werden kann. Daher empfiehlt es sich, frühzeitig beim Jobcenter anzugeben, dass eine Umgangsregelung für das Kind geschaffen wurde und wie diese aussehen soll. Das macht es für alle Seiten einfacher.

Wirkt sich eine temporäre Bedarfsgemeinschaft auf die Kosten der Unterkunft aus?

Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Der Antrag ist beim zuständigen Jobcenter einzureichen.

Temporäre Bedarfsgemeinschaft: Der Antrag ist beim zuständigen Jobcenter einzureichen.

Hartz-4-Empfänger erhalten neben dem Regelsatz auch die Bedarfe für Heizung und Unterkunft vom Job­center erstattet, sofern diese in einem angemessenen Rahmen liegen. Was als angemessen gilt, richtet sich unter anderem nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Menschen.

An dieser Stelle wird es etwas kompliziert, wenn es sich um eine temporäre Bedarfsgemeinschaft handelt. Die Rechtsprechung ist in diesem Fall nämlich nicht immer eindeutig. Viele Betroffene erheben Anspruch auf einen größeren Wohnraum, wenn der Sprössling regelmäßig zu Besuch kommt.

Ob dieser gewährt werden muss, ist in der Recht­sprechung bis dato nicht abschließend geklärt. In aller Regel ist ein größerer Wohnraum allerdings angebracht, wenn das Kind keinerlei Übernachtungsmöglichkeit in der Wohnung des Elternteils, welcher besucht wird zur Verfügung hat. In diesem Fall kommt auch ein Antrag auf Wohnungsausstattung für Möbel in Betracht.

Fazit: Temporäre Bedarfsgemeinschaft

  • Die temporäre Bedarfsgemeinschaft kommt bei Eltern infrage, deren Kinder im Rahmen einer Umgangsregelung monatlich zu Besuch kommen, aber nicht dauerhaft beim entsprechenden Elternteil leben.
  • Damit ein Antrag auf temporäre Bedarfsgemeinschaft beim Jobcenter Erfolg hat, muss der Sprössling mindestens zwölf Stunden pro anzurechnenden Tag bei dem Elternteil verbringen, welcher für diesen Zeitraum die temporäre Bedarfsgemeinschaft beantragt.
  • Trifft dies zu, steht dem Hilfebedürftigen pro Tag, an welchem das Kind versorgt wird, 1/30 des Regelsatzes fürs Kind zu.

Bildnachweise: istockphoto.com/ © Deklofenak, depositphotos.com/ © yekophotostudio

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